Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

… das ändern wir in den nächsten Tagen. Bin dann mal weg – AHOI!

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Mensch Albert!

Was steht denn da auf dem Ulmer Münsterplatz?

Hunderte kleine Einsteins, einer gleicht dem anderen aufs Haar, im Anzug, eine Hand lässig in der Hosentasche, freundlich dreinschauend. Ein Kunstprojekt des Ulmer Museums mit dem Künstler Ottmar Hörl. Mehr dazu hier.

Die 500 knapp 1 m hohen Kunststoff-Figuren des in Ulm geborenen Albert Einstein stehen dort noch bis Anfang Juni, es sind allerdings schon deutlich weniger geworden. Nicht, weil sie gestohlen werden – nein, sie werden bewacht und abends weggeschlossen – sondern weil man sie für einen guten Zweck kaufen kann.

Ich find sie toll!

Nun ist er zu Ende – MEIN JAKOBSWEG – und dennoch ist er auch ein Anfang … und so soll es sein!

„Buen Camino – Einen glücklichen Weg“ wünschen sich Pilger, die sich unterwegs treffen. Und das wünsche ich jedem auf seinem Weg, besonders meinen lieben Mitpilgern!

Vor Wochen noch dachte ich:
Kann ist das schaffen? Wie sind die Leute, werden wir uns verstehen? Werde ich an meine Grenzen stoßen und über sie hinweggehen können? Will ich das wirklich?

Die Antwort auf all diese Frage lautet: JA!
JA, ich habe es geschafft! JA, es sind alles herzliche freundliche Menschen, jeder mit seinem eigenen Schicksal, jeder besonders, einzigartig, jeder mit Ecken und Kanten und einem warmen Herz. JA, meine Grenzen habe ich erfahren und bin ein Stück weit über sie hinaus gegangen. Das geschafft zu haben, hinterlässt ein stolzes Gefühl! JA, ich wollte und will das wirklich!

Ganz sicher werde ich diese Woche nie vergessen!

So viele Zitate fallen mir zum Gehen eines solchen Weges ein. Drei mir wichtige möchte ich hier aufschreiben und nicht vergessen:

Sage nicht, wenn ich Zeit dazu habe, vielleicht hast du nie Zeit dazu.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
aus dem Talmud

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
Johann Wolfgang von Goethe

Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.
Guy de Maupassant

Noch einmal gemeinsam frühstücken, noch einmal den Rucksack packen, noch einmal Blasen verkleben, noch einmal Motivation und noch einmal Loslaufen. Heute geht sie zu Ende – unsere 150 km lange Pilgerwanderung in 7 Tagen auf Brandenburgs Jakobsweg.

Wir laufen über die Spree durch das Regierungsviertel, um die Museumsinsel, vorbei an hunderten Touristen, die uns mit unseren grünen TShirts und unseren Rucksäcken etwas komisch betrachten. An der Marienkirche am Alexanderplatz angekommen, können wir kaum glauben, dass das Ende unserer gemeinsamen Woche nun doch immer mehr naht. Den letzten Stempel in den Pilgerpass holen wir uns in der Kirche, in der wir auch nochmals etwas Ruhe finden können. Reiner hatte darum gebeten, sich – obwohl er natürlich bis zum Schluss mitlaufen wird – in unserer kleinen Runde von uns zu verabschieden und so tat er es auch in einem Kreis von jedem persönlich. So langsam wird es sehr emotional!

Nun kommen von einigen schon Angehörige, Kollegen, Eltern, Freunde, die Frauen einer Laufgruppe, Mitarbeiterinnen der Berliner Krebsgesellschaft … alle wollen mit uns die letzten Kilometer zum Brandenburger Tor pilgern. Entlang von viel Grün laufen wir kreuz und quer durch Berlin-Mitte und Kreuzberg, sehen noch viele schöne Parks und Wasserflächen, essen das letzte gemeinsame Eis bis wir tatsächlich 15:00 den Tiergarten verlassen und aufs Brandenburger Tor zusteuern. Unsere Ankunft könnt ihr hier sehen. Danach gabs nur noch Tränen der Freude!

… und wenn unsere gemeinsame Geschichte in diesen Tagen nur einem betroffenen Menschen, einem Menschen, der gerade in der Krebstherapie kämpft, sie vor sich oder kurz hinter sich hat und zweifelt oder Ängste hat, einem Menschen, der seinen Angehörigen pflegt und unterstützt, hilft, dann reicht das schon, dann hat sich alles gelohnt. Und aus den vielen positiven Rückmeldungen weiß ich, dass dies bereits mehrfach geschehen ist.

Mir selbst hat die Woche mehr gebracht als gedacht, als erhofft! Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die an die gleichen Grenzen stoßen wie ich. Ich habe geweint und viel gelacht, habe getragen und bin getragen worden, habe in mich hineingehört und kann wieder vertrauen. … angekommen am Brandenburger Tor nach 7 Tagen und 150 km Pilgern auf dem Jakobsweg durch Brandenburg 💚 mit unfassbar starken, mitreißenden, nachdenklichen und fröhlichen Menschen. Ich danke Euch!!!

Meine Füße sagen: Leg uns hoch, kühle uns, lass uns massieren … steck uns keinesfalls in Schuhe und auf gar keinen Fall: Geh auf uns!
Mein Kopf sagt: Los, Schuhe an, Zähne zusammenbeißen und laufen!

Der letzte lange Tag unserer Pilgerwanderung beginnt und wir laufen Richtung Berlin. Immer unser Ziel vor Augen, dass wir alle das schaffen werden. Das Brandenburger Land gibt nochmal alles, um uns fröhlich zu stimmen: blauer Himmel, singende Vögel, blühende Rapsfelder, Kieferwäldchen, weiche, sandige Wege …

Ich werde – dank Bärbel, die mich als gelernte Physiotherapeutin 1. prima verarzten und 2. auch psychisch nochmal aufbauen kann, in den Stamm der Schwarzfuß-Indianer aufgenommen, darf nochmal einen Schluck aus Ramonas Flachmann nehmen und irgendwann sehen wir in der Ferne tatsächlich die Kirchtürme von Bernau – unserem offiziellen Tagesziel. Der letzte schnurgerade kilometerlange Feldweg – es dauerte länger als eine halbe Stunde, bis wir ihn hinter uns hatten – war meine eindringlichste Pilgererfahrung. Ich lief wie im Rausch, immer der Gruppe voran in gleichmäßig zügigem Tempo. Meine Füße machten das alles alleine. Mein Kopf war irgendwo anders. So ist das wohl.

Im Eiscafé belohnten sich alle. Die einen mit doppelt Kuchen, die anderen mit Rieseneisbechern. Ich, in dem Bewußtsein, dass ja wenige 100 m entfernt der S-Bahnhof ist, mit einem bunten leckeren Pizza-Eis. Wieder gestärkt kam dann nochmal die letzte Hürde: Es wurde kurz entschlossen – wo war ich eigentlich, als dieser Beschluss gefasst wurde??? – nicht mit der S-Bahn gefahren, sondern das Tagesziel nochmal auf weitere 6 km Entfernung verlegt: Wir wollten über Berlins Statdtgrenze laufen. Irgendwie – fragt mich nicht wie – schafften wir dann auch noch das und saßen alle geschafft aber glücklich in der S-Bahn Richtung Berliner Hauptbahnhof. „Um die Ecke“ ist das Jugendhaus der Berliner Stadtmission, eine saubere, moderne, und superzentral gelegene Jugendherberge.

Alle erholten sich in ihren Betten, unter der Dusche oder ich einfach im Zimmersessel, meine heißen Füße in ein kaltes nasses Handtuch gewickelt. Abends gab es Pizza für alle und Getränke aus dem Supermarkt. Die Mädels schenkten mir sogar noch ein neues Paar allerweichste Geleinlagen für den letzten Tag!

… und unsere nun letzte abendlichen Runde wurde sehr emotional. Es wurde ein wenig geweint aber vor allem viel gelacht.

Marie (21), Molly (4) und Reiner (67)

Nach einem ordentlichen Frühstück ging es heute auf die nächste und wohl nochmal an die 25 km lange Strecke … erst durch die ganze Stadt Strausberg – und die zieht sich laaaaang hin – dann nach kleiner Kaffeepause entlang des östlichen Ufers des sehr schönen Straussees. An dessen nördlichem Ende angekommen – es waren bis hierhin bereits 12 km! – stand da das, was uns allen wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte, auch denen, die „so langsam auf dem Zahnfleisch gingen“ – mich eingeschlossen.

Petra und Paul (Annelie, die Organisatorin unserer Pilgerwanderung und Petra hatten sich auf dem Camino, dem Spanischen Jakobsweg kennengelernt und sind diesen eine ganze Weile zusammen gegangen) hatten uns ein Donativo – eine in Spanien übliche Spende für müde Pilger – aufgebaut und wir schlemmten mal so richtig in frischem Obst und Süßigkeiten. Nochmal: Herzlichen Dank dafür! ❤️

Petra und ihr Hund Molly gingen die nächsten 12 km mit uns und so hatten wir durch Molly echt gute Unterhaltung … ein toller Hund!

Heute ging es wieder durch wunderschöne Natur und zu einem Apfelhof, wo wir eine lange Pause bei Kaffee und leckeren Kleinigkeiten genossen. Die Inhaberin des Hofs machte für Interessierte noch eine kleine Hofführung und so konnte es den restlichen Weg nach Werneuchen gestärkt weitergehn. Hier am Bahnhof angekommen endete unsere Pilgerwanderung für heute mit einem erfrischenden Bier (Danke, Ramona, Du hast das letzte Lieblingsbier ergattert!!! 🙏🏻🙏🏻🙏🏻) und mit einer kurzen Busfahrt zu unserer Unterkunft, der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein.

Die Tage stecken nun so langsam auch den trainiertesten unter uns – außer Annelie natürlich 😉 – in den Gliedern. Nach dem Abendessen saßen wir noch in der Kellerbar beisammen – spät wurde es allerdings nicht. Irgendwie spüren wir alle das nahende Ende unseres Pilgerns. Laut Plan sind nun die längsten Etappen geschafft und morgen ist der letzte lange Pilgertag, bevor wir dann am Brandenburger Tor ankommen werden – ein bisschen Wehmut schwingt in der Luft – aus Fremden wurden Freunde!

Heute werden wir auf unserem Weg von Buckow nach Straußberg begleitet. Schon zum Frühstück erscheinen Reporterin, Kamera-, Tonmann und Fahrer des Fernsehsenders RBB. Sie filmen Roswita beim Rucksackpacken, interviewen unterwegs den einen oder die andere, lassen uns – glücklicherweise – immer wieder alleine gehen und stehen dann plötzlich mit der Kamera wieder im Wald hinter einem blühenden Fliederbusch, an dem wir vorbeipilgern.

Die 3minütige Reportage, die in der Abendschau auf RBB Brandenburg und RBB Berlin gezeigt wurde, findet ihr hier. Uns hat der Bericht allen gut gefallen.

22 km lang war unser heutiger Weg – zu sehen gab es viel blauen Himmel, in voller Blüte stehende Bäume, immer wieder hübsche Feldsteinkirchen oder die Pyramide Garzau, die größte Feldsteinpyramide Deutschlands aus dem Jahr 1784. Es war viel Zeit, sich auszutauschen, aber auch seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Guten Gedanken.

Unser Weg endet heute in Strausberg im Sport- und Erholungspark und nachdem wir unsere wehen Füße – mittlerweile gewinnen bei Manchem, so auch bei mir, die Blasen die Überhand 😱 – versorgt und uns ein wenig ausgeruht haben, werden wir mit verschiedenen Salaten und Leckerem vom Grill – Gela war eine richtig tolle Grillmeisterin – verwöhnt. Am Lagerfeuer ließen alle nochmal die letzten Tage Revue passieren mit absolut positiver Resonanz. Wir alle merken, wie wir an uns und auch zusammen-wachsen, wie wir uns gegenseitig stützen, ob mit Einfach-nur-Zuhören, mit guten Worten, Pflastern oder auch mal nem Schluck Jägermeister aus Ramonas Flachmann, wenn gar nix mehr geht. 😉

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