Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

Mit Vietnam habe ich immer Lotusblüten und Wasserbüffel verbunden, in jungen Jahren hatte ich ein Kinderbuch, bebildert mit Kindern mit den typischen Reisstrohhüten, die auf den Rücken von Wasserbüffeln in Reis- und Lotusfeldern spielten. Genau das fiel mir wieder ein, als ich nach der schönen Bootfahrt in der Trockenen Halongbucht um ein reich blühendes Lotusfeld spazierte und auf einmal daneben Mutter und Kind Wasserbüffel auftauchten. 🐃🌸😊

Es geht weiter ins Van Long Naturreservat – lt. Reiseführer einer der Nationalparks, der von Touristen noch nicht überlaufen ist und das stimmt auch, auf dem Parkplatz nur wenige Autos und sicherlich 20 Boote, die auf Mitfahrer warten.

Nach dem ersten überwältigenden Blick auf die Flusslandschaft

bestiegen wir jeweils zu zweit ein kleines Ruderboot, das ca. 1 1/2 h lang von einer Vietnamesin gemütlich entlang der Bilderbuch-Zuckerhut-Berge gerudert wurde. Es war einfach traumhaft, in dieser Stille – man hörte nur die Affen schreien, sah Reiher und andere Vögel vorbeifliegen – fast schwerelos auf dem Wasser zu gleiten … es ging sogar in eine Höhle:

Trocken ist die Trockene Halongbucht nun gerade nicht, an sich ist sie ein Labyrinth von Flüssen mit unendlich vielen aus dem Wasser ragenden Karstbergen. Im Gegensatz zur Halongbucht im Nordosten des Landes, deren knapp 2.000 Karstfelsen im Meer liegen, ist es hier jedoch viel trockener, es gibt zwischen den Flüssen unendliche Reis- und Lotusfelder und natürlich Wasserbüffel, dazu morgen mehr.

Wunderbar ausgeruht und gestärkt durch ein ausgezeichnetes Frühstück sind unsere Taschen schon wieder gepackt und wir fahren in südöstlicher Richtung in die Gegend um Ninh Binh.

… nebenbei noch etwas zum Thema Autofahren: In Vietnam beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit in Ortschaften (mancher Ort zieht sich Mehr als 30 km an der Straße entlang) 50 km/h – durch den vielen Verkehr kaum erreichbar -, außerorts auf Landstraßen 80 km/h, auf Autobahnen (wenig vorhanden) 120 km/h. Die Straßen sind zwar sehr gut ausgebaut, der Verkehr jedoch ist immens. Für die knapp 100 km in die Trockene Halongbucht brauchten wir statt der vom Routenplaner errechneten 90 min ca. doppelt so lange. Nicht schlimm, wir haben ja Urlaub und sehen auch aus dem Fenster des gut klimatisierten Kleinbusses viel von Land, Leuten und Landschaft, aber es dauert halt schon. Wir kamen insgesamt sicherlich nie schneller als 50 km je Stunde voran und so erklärt sich auch der dringende Vorschlag unseres Reiseveranstalters, für die längeren Strecken Inlandsflüge zu nehmen.

Auf halbem Weg nach Ninh Binh machen wir an diesem Feier- und damit arbeitsfreien Tag Halt in einem Tempel und stehen staunend mitten in einer feierlichen Zeremonie.

Das Fest der Hùng-Könige ist eines der wichtigsten Feste und geistlicher Jahreshöhepunkt. Frauen in prachtvollen Gewändern, begleitet von eindringlicher vietnamesischer Musik gestalten eine Art Opferfest. Es werden kunstvollst gefertigte Aufbauten aus Obst und Gemüse gespendet, sogar Schnaps und Bier.

Sehr zu empfehlen, falls ihr mal in Hanoi seid: das Lapis Hotel im Herzen der Stadt. Bis zum alten Zentrum, dem Viertel der 36 Gassen sind es zu Fuß ca. 15 min. Das Hotel ist sehr edel eingerichtet, die Betten nicht zu hart und nicht zu weich, beim Frühstück bleibt kein Wunsch offen und das beste: der Pool auf dem Rooftop.

Dass es Fön und diverse Utensilien wie Zahnbürsten, Zahncreme, Duschgel und Shampoo, Kamm und Einmalrasierer oder auch Nähzeug in den Zimmern gibt, ist hier selbstverständlich. Falls man bügeln möchte: herzlich gern! Bügelbrett und Bügeleisen warten im Garderobenschrank eines jeden Zimmers.

Aber den Vogel schiesst die Körperwaage ab. 😂😂😂

Der 700 m lange See des zurückgegebenen Schwertes, ganz in der Nähe des Altstadtviertel ist Hanois berühmtester See und trennt Alt-Hanoi vom einstigen französischen Kolonialviertel. Die Legende um das zurückgegeben Schwert kann man hier nachlesen, in Anlehnung an diese wurde mitten im See der dreistöckige Schildkrötenturm erbaut.

Am nördlichen Ende des Sees kann man über die schön geschwungene rote „Brücke der aufgehenden Sonne“ auf eine kleine Insel mit dem Jadeberg-Tempel gehen.

Wir gehen an diesem Abend – einerseits weil wir echt müde sind von Flug und Tag andererseits wegen der vielen vielen Leute, die ihren freien Abend vor dem morgendlichen Feiertag hier gemeinsam verbringen – lieber noch ein wenig in die Altstadt, die Stadt der 36 Gassen, auch dort brodelt das Leben. Und man sieht genau, was die Vietnamesen am besten können: Handel treiben. Die dicht aneinander gebauten schmalen Häuschen, meist dreistöckig, haben alle im Erdgeschoss einen Laden. Es wird mit allem Handel getrieben. Eine lange Straße nur mit Schuhen, eine nur mit Koffern, eine nur mit Lokalen, die Leute sitzen auf winzigen Kunststoffstühlchen an kleinen Kunststofftischchen auf dem Fussweg vorm Lokal und essen Nudelsuppe. Das Leben findet genau hier statt, ist laut und fröhlich … unter der kunstvollen Elektroverkabelung 😉 mit einer Hühnerfamilie.

… und wir sind müde nach unserem ersten Tag in Vietnam. So viel haben wir schon gesehen. Jetzt erstmal ausschlafen, morgen geht’s weiter zu neuen Erlebnissen.

Eigentlich wären wir in ein paar Tagen nochmals in Hanoi gewesen, hätten hier noch einen Nachmittag verbracht, am Abend das Wasserpuppentheater besucht und wären am nächsten Morgen weiter Richtung Landesmitte geflogen. Unser Flug wurde jedoch vorverlegt, so dass wir Hanoi mit diesen wunderschönen Eindrücken verlassen müssen.

Morgen: die Trockene Halongbucht

Die Einsäulen- oder Einpfahlpagode ist eine der ältesten Pagoden in Hanoi und ist wegen ihrer außergewöhnlichen Bauweise ein Wahrzeichen der Stadt. 1049 ließ sie König Lý Thái Tông als 3 m langer Holztempel auf einem Baumstamm erbauen, die Rekonstruktion steht heute auf einem Betonsockel, inmitten eines künstlich angelegten Sees.

Der König ließ die Pagode so errichten, weil ihm im Traum die auf einer Lotusblüte sitzende Göttin der Barmherzigkeit Quan Âm erschien und einen lang ersehnten Sohn überreichte. Und tatsächlich wurde er kurze Zeit später Vater eines Jungen. Als Dank ließ er die Pagode in Form einer Lotusblüte inmitten eines Sees errichten. Gläubige können über eine kleine Treppe nach oben in die Pagode steigen.

Morgen: Am See des zurückgegebenen Schwertes und im Viertel der 36 Straßen

 

Der „Große Führer“ Ho Chi Minh (1890 – 1969), war Revolutionär, kommunistischer Politiker, Premierminister und von 1945 bis 1969 Präsident der Demokratischen Republik Vietnam. Das Ende des Vietnamkrieges 1975 erlebte er leider nicht mehr. Der Personenkult um „Onkel Ho“ war und ist auch heute noch sehr groß. Zwischen 1973 und 1975 wurde das 22 m hohe und 42 m lange und breite Mausoleum  für ihn gebaut. Dort liegt in einer klimatisierten Glasvitrine bei gedämpftem Licht sein einbalsamierter Leichnam und wird – wie wir auch bestätigen können – von hunderten Vietnamesen besucht.

Wir konnten am Nachmittag, als das Mausoleum geschlossen war und der am Vormittag sicherlich 1 km lange Strom der Menschen sich aufgelöst hatte, in Ruhe am Mausoleum vorbeilaufen und den Wachaufzug der Ehrengarde beobachten.

Ho Chi Minhs letzter Wunsch war es übrigens, eingeäschert zu werden und seine Asche in allen vier Himmelsrichtungen in Vietnam zu verstreuen. Leider wurde dem nicht nachgekommen und nun liegt er hier – in einem der „hässlichsten Gebäude der Welt“, flankiert vom Banner mit der Aufschrift „Nước Cộng Hòa Xã Hội Chủ Nghĩa Việt Nam Muôn Năm“: „Es lebe die Sozialistische Republik Vietnam“. Gegenüber des Mausoleums gleich noch ein ähnlich schönes Bauwerk: das Parlamentsgebäude.

Morgen: die Einsäulenpagode

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