Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

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Prag – Im Jüdischen Viertel – Der Alte Jüdische Friedhof

In der Prager Altstadt liegt das jüdische Viertel Josefov – unbedingt einen Besuch wert! Im 15. Jahrhundert wurde der Alte Jüdische Friedhof angelegt, im 18. Jahrhundert fand hier die letzte Bestattung statt. Dicht an dicht stehen hier auf kleinster Fläche mehr als 12.000 noch gut erhaltene Grabsteine. Der hügelige Boden und die schief stehenden Steine rühren daher, dass die Verstorbenen immer und immer wieder – in bis zu 12 Schichten – übereinander bestattet wurden, mehr als 100.000 Menschen sind hier begraben. Nach jüdischem Glauben wird kein Grab aufgelöst. 


Auf einem schmalen Weg kann man durch die Grabfelder und unter riesigen alten Bäume entlang gehen, nachdenken, innehalten. Viele der Grabmale sind verziert mit Zeichen, die z.B. Familiennamen entsprechen wie Löwen, Trauben oder Blumen oder Berufe darstellen, so Scheren für Schneider. Das bekannteste Grab ist das des Predigers und Philosophen Rabbi Löw (eigentlich Jehuda ben Bezal´el Löw, geb. zwischen 1512 bis 1525, gestorben 1609 in Prag), der lt. einer Legende den Golem erschaffen haben soll. 

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Allerheiligen

Vor ein paar Tage besuchte ich unseren in wunderschönen Herbstfarben strahlenden Friedhof. Heute ist Allerheiligen und warum wir das eigentlich feiern, steht hier in meinem Blogartikel vom letzten Jahr. 

FUNDSTÜCK DER WOCHE: Des Hauses schönste Zier

 


            Hier ruht
       Babette Simon
           Friedberger
         geb. Einstein

      geb. 13. Dez. 1814
     gest. 25.Nov. 1896

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Ein Biederweib ruht hier.
Dem Gatten treu ergeben.
Des Hauses schönste Zier.
Wird Sie uns ewig leben.

 

Ein wirklich großer und herausragender Grabstein. Ist der Spruch nicht wunderbar?!

Die jüdischen Grabsteine sind – ab ca. Mitte des 19. Jh. auf beiden Seiten mit Inschriften versehen worden. Einerseits in Hebräischer Schrift, mit Segensspruch und datiert nach dem Hebäischen Kalender, welcher keine Zahlen sondern nur Buchstaben kennt, auf der anderen Seite in Deutscher Schrift.

Jüdischen Verstorbenen steht Grabesruhe bis zum sog. „Jüngsten Tag“ mit dem Erscheinen des Messias zu. Deshalb müssen die Friedhöfe immer wieder vergrößert werden. In Laupheim geschah dies dreimal, zuletzt 1929.

 

 

 

 

Die Schwestern Kirschbaum

Die Schwestern Therese, Jette und Sally Kirschbaum führten in der Kapellenstraße Laupheim einen kleinen Gemischtwarenhandel. Als 1939 die Dörfer und Städte „judenrein“ gemacht und alle noch in Laupheim lebenden Juden an den Stadtrand in Baracken in der Wendelinsgrube verbracht wurden, ging es bald auch den Schwestern so. Der Winter 1940/41 war sehr kalt und die Baracken, die zum großen Teil weder über Strom, fließendes Wasser noch über gute Möglichkeiten, diese zu beheizen, verfügten waren eisig und zugig.

Wie auf den Grabsteinen der Schwestern zu sehen, starben sie an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Sie wählten den Freitod. Eine wirklich tragisches Ende einer Familie. Eines von so vielen.

Man sieht an der Grablegung noch eine Tradition im Jüdischen Glauben: Zur Familie gehörende Verstorbene werden links neben dem zuerst Verstorbenen beerdigt.

 

 

Der Jüdische Friedhof Laupheim – Segnende Hände und andere Symbole

Die Symbole in Jüdischen Grabsteinen sind vielfältig, jedoch wird man niemals Personendarstellungen oder gar Porträtbüsten finden. Symbole stehen meist für Namen, Familienstände oder Berufe, Funktionen und Ehrenämter.

Die Wasserkanne steht für einen Verstorbenen auf der Familie der Leviten, die Beschützer und Diener des Tempels waren. Segnende Hände sind das Sinnbild eines Kohen, d.h. der Verstorbene geht auf eine altpriesterliche Familie zurück, deren Urvater Aaron, der Hoheprister und Bruder Mose war. Das Symbol eines Blasinstruments (gekrümmtes Widderhorn) weist auf das Ehrenamt des Schofarbläsers der Gemeinde hin. Der Schofar wird traditionell an Rosch Haschana, dem Jüdischen Neujahrsfest geblasen. Ganz rechts sehen wir das Symbol auf dem Grabstein von Rebekka Lämmle, der Mutter des in Laupheim geborenen Filmpioniers, Gründers und Leiters der Universal Studios, Gründervater von Hollywood Carl Lämmle. Im Ornament findet man die Anfangsbuchstaben ihres Namens in hebräischer Schrift.

Der Grabstein wurde von einem ebenfalls sehr berühmten Sohn Laupheims geschaffen, dem Künstler Friedrich Adler, der 1878 hier geboren wurde. Er war Architekt, Keramiker, Möbelgestalter und vor allem für seine Entwürfe für Metallarbeiten, Textildruckverfahren und später auch Haushaltsgegenstände bekannt. Friedrich Adler starb 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau.

Plötzlich und unerwartet …

Auf dem Jüdischen Friedhof Laupheim stehen viele Grabsteine, die sehr kunstvoll, formenreich und in handwerklicher Perfektion hergestellt worden sind. Rosenranken, aufgesetzte Pokale, Kronen, ringsum laufende Akanthusdekore, auch kubische Formen des Bauhausstils sind zu finden. Einige Grabsteine gleichen dicken Säulen, die am oberen Ende mit massiver Gewalt abgebrochen zu sein scheinen. Hier war jedoch niemand zerstörerisch unterwegs – die Stelen wurden bereits so gefertigt und stehen auf Gräbern von Menschen, die unvorhersehbar, wie man heute sagt „plötzlich und unerwartet“ durch z.B. einen Unfall aus dem Leben gerissen wurden. Ein sehr passendes Sinnbild finde ich.

 

Der Jüdische Friedhof in Laupheim


Heute etwas aus meiner Stadt.

In Laupheim gab es bis zum Zweiten Weltkrieg die größte Jüdische Gemeinde Württembergs. 1724 siedelten sich hier Familien aus Illereichen und Buchau an und gründeten diese Gemeinde. Im Jahr 1869, dem Jahr der Stadterhebung Laupheims lebten 843 Juden hier.

Im Zuge dieser Ansiedlung wurde 1730 auf dem „Judenberg“ ein Friedhof angelegt, der später mehrfach erweitert wurde. Der Friedhof hat die NS-Zeit nahezu unversehrt überstanden, die Gemeinde jedoch erlosch im Zuge der Judenverfolgung. Erste Ausschreitungen gab es bereits 1933, als Schaufenster eingeschlagen wurden, die jüdische Synagoge brannte in der Reichspogromnacht 1938 nieder, 1939 wurde die Jüdische Religionsgemeinschaft aufgelöst. Juden, die bis dahin nicht ausgewandert waren, wurde an den Stadtrand in Baracken in der Wendelinsgrube umquartiert. Im Zuge der Deportation 1941 und 42 wurden über 60 Juden aus Laupheim in die in Konzentrationslager Riga, Theresienstadt, Izbica und Auschwitz verschleppt. Von dort ist keiner nach Laupheim zurückgekehrt.

Der jüdische Friedhof mit seinen 1.200 Grabstellen und 1.000 Grabsteinen liegt mitten in der Stadt, auf dem auch heute noch sog. Judenberg, ist mit einer mannshohen Ziegelmauer umgeben und wird von vielen alten Bäumen beschattet.

Der älteste nur noch fragmentarisch entzifferbare Grabstein trägt die Jahreszahl 1740.

Hier begraben liegt Samuel Obermauer (1734-1755), Ururgroßvater des Physikers Albert Einstein, welcher in Ulm geboren wurde. Ebenso hier begraben wurde Rebekka Lämmle (1831-1883), die Mutter des in Laupheim geborenen Filmpioniers, Gründers und Leiters der Universal Studios, Gründervater von Hollywood Carl Lämmle.

Den Jüdischen Friedhof in Laupheim kann man zu bestimmten Öffnungszeiten besuchen. Ab und an finden Führungen statt, an einer solchen habe ich – nachdem ich nun 16 Jahre hier lebe – vor kurzem endlich einmal teilgenommen.

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