Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

Meine Füße sagen: Leg uns hoch, kühle uns, lass uns massieren … steck uns keinesfalls in Schuhe und auf gar keinen Fall: Geh auf uns!
Mein Kopf sagt: Los, Schuhe an, Zähne zusammenbeißen und laufen!

Der letzte lange Tag unserer Pilgerwanderung beginnt und wir laufen Richtung Berlin. Immer unser Ziel vor Augen, dass wir alle das schaffen werden. Das Brandenburger Land gibt nochmal alles, um uns fröhlich zu stimmen: blauer Himmel, singende Vögel, blühende Rapsfelder, Kieferwäldchen, weiche, sandige Wege …

Ich werde – dank Bärbel, die mich als gelernte Physiotherapeutin 1. prima verarzten und 2. auch psychisch nochmal aufbauen kann, in den Stamm der Schwarzfuß-Indianer aufgenommen, darf nochmal einen Schluck aus Ramonas Flachmann nehmen und irgendwann sehen wir in der Ferne tatsächlich die Kirchtürme von Bernau – unserem offiziellen Tagesziel. Der letzte schnurgerade kilometerlange Feldweg – es dauerte länger als eine halbe Stunde, bis wir ihn hinter uns hatten – war meine eindringlichste Pilgererfahrung. Ich lief wie im Rausch, immer der Gruppe voran in gleichmäßig zügigem Tempo. Meine Füße machten das alles alleine. Mein Kopf war irgendwo anders. So ist das wohl.

Im Eiscafé belohnten sich alle. Die einen mit doppelt Kuchen, die anderen mit Rieseneisbechern. Ich, in dem Bewusstsein, dass ja wenige 100 m entfernt der S-Bahnhof ist, mit einem bunten leckeren Pizza-Eis. Wieder gestärkt kam dann nochmal die letzte Hürde: Es wurde kurz entschlossen – wo war ich eigentlich, als dieser Beschluss gefasst wurde??? – nicht mit der S-Bahn gefahren, sondern das Tagesziel nochmal auf weitere 6 km Entfernung verlegt: Wir wollten über Berlins Statdtgrenze laufen. Irgendwie – fragt mich nicht wie – schafften wir dann auch noch das und saßen alle geschafft aber glücklich in der S-Bahn Richtung Berliner Hauptbahnhof. „Um die Ecke“ ist das Jugendhaus der Berliner Stadtmission, eine saubere, moderne, und superzentral gelegene Jugendherberge.

Alle erholten sich in ihren Betten, unter der Dusche oder ich einfach im Zimmersessel, meine heißen Füße in ein kaltes nasses Handtuch gewickelt. Abends gab es Pizza für alle und Getränke aus dem Supermarkt. Die Mädels schenkten mir sogar noch ein neues Paar allerweichste Geleinlagen für den letzten Tag!

… und unsere nun letzte abendlichen Runde wurde sehr emotional. Es wurde ein wenig geweint aber vor allem viel gelacht.

Kommentare zu: "Tag 6 unserer Pilgerreise … neue großartige Freunde" (9)

  1. klasse, herzlichen Glückwunsch! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. das gehört einfach alles dazu zu solch einer Tour !!!! Meinen Respekt habe ich ja x-mal ausgesprochen !!!!

    Gefällt 1 Person

  3. Was für ein wunderbares Erlebnis, liebe Antje,
    ich gratuliere Dir gerne fürs Durchhalten!
    Lieben Gruß
    moni

    Gefällt 2 Personen

  4. Haben die Tapes am Fuß geholfen oder eher Blasen gefördert? LG

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Schlagwörter-Wolke

%d Bloggern gefällt das: