Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton


Heute etwas aus meiner Stadt.

In Laupheim gab es bis zum Zweiten Weltkrieg die größte Jüdische Gemeinde Württembergs. 1724 siedelten sich hier Familien aus Illereichen und Buchau an und gründeten diese Gemeinde. Im Jahr 1869, dem Jahr der Stadterhebung Laupheims lebten 843 Juden hier.

Im Zuge dieser Ansiedlung wurde 1730 auf dem „Judenberg“ ein Friedhof angelegt, der später mehrfach erweitert wurde. Der Friedhof hat die NS-Zeit nahezu unversehrt überstanden, die Gemeinde jedoch erlosch im Zuge der Judenverfolgung. Erste Ausschreitungen gab es bereits 1933, als Schaufenster eingeschlagen wurden, die jüdische Synagoge brannte in der Reichspogromnacht 1938 nieder, 1939 wurde die Jüdische Religionsgemeinschaft aufgelöst. Juden, die bis dahin nicht ausgewandert waren, wurde an den Stadtrand in Baracken in der Wendelinsgrube umquartiert. Im Zuge der Deportation 1941 und 42 wurden über 60 Juden aus Laupheim in die in Konzentrationslager Riga, Theresienstadt, Izbica und Auschwitz verschleppt. Von dort ist keiner nach Laupheim zurückgekehrt.

Der jüdische Friedhof mit seinen 1.200 Grabstellen und 1.000 Grabsteinen liegt mitten in der Stadt, auf dem auch heute noch sog. Judenberg, ist mit einer mannshohen Ziegelmauer umgeben und wird von vielen alten Bäumen beschattet.

Der älteste nur noch fragmentarisch entzifferbare Grabstein trägt die Jahreszahl 1740.

Hier begraben liegt Samuel Obermauer (1734-1755), Ururgroßvater des Physikers Albert Einstein, welcher in Ulm geboren wurde. Ebenso hier begraben wurde Rebekka Lämmle (1831-1883), die Mutter des in Laupheim geborenen Filmpioniers, Gründers und Leiters der Universal Studios, Gründervater von Hollywood Carl Lämmle.

Den Jüdischen Friedhof in Laupheim kann man zu bestimmten Öffnungszeiten besuchen. Ab und an finden Führungen statt, an einer solchen habe ich – nachdem ich nun 16 Jahre hier lebe – vor kurzem endlich einmal teilgenommen.

Kommentare zu: "Der Jüdische Friedhof in Laupheim" (6)

  1. Ich mag diese stillen Orte gern.

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    • Ich mag Friedhöfe gerne. Habe immer etwas scheu, dort zu fotografieren und diese Fotos auch noch zu zeigen.
      Gräber können sehr schön sein. Manche Friedhöfe sind wie große Parks.
      Wie siehst du das? Ist es pietätlos, dort zu fotografieren?
      Mir geht es nicht darum, Grabsteine mit Namen und Daten zu fotografieren, sondern eher den Friedhof als Park, Landschaft und die Stimmung dort einzufangen.

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  2. Danke, das war interessant.

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  3. Ein interessanter Beitrag, auch wenn er nicht rühmlich für die Deutsche Geschichte ist….
    und ich finde es gar nicht schlimm,
    wenn man an diesen stillen Orten, fotografiert.
    Sie sind ja auch öffentlich zugänglich und der Tod gehört genau so zum Leben, wie alles andere.

    ❤ liche Grüsse,
    Uschi

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