Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

Wir besuchen die Hauptstadt der Insel Korfu (auf griechisch Kerkyra), die den gleichen Namen trägt und da wir gerne mehr und speziellere Geschichten erfahren, als die, die in Reiseführern stehen, buchen wir eine Stadtführung. Sie ist sehr geschichtlich geprägt und von Geschichte und Mythologie hat Griechenland nun ja wohl mehr als genug. Es gibt viel zu hören und zu staunen. Eine kleine Geschichte erzähle ich:

In der Hauptstadt gibt es die Kirche des Heiligen Spyridon. Er ist der Schutzpatron der Insel Korfu. Spyridon wurde um 270 auf Zypern geboren und starb 348, nachdem er bereits zu Lebzeiten zahlreiche Wunder gewirkt haben soll. Als man nach der Eroberung Zyperns durch die Sarazenen sein Grab 300 Jahre nach seinem Tode öffnete, um die sterblichen Überreste nach Konstantinopel zu überführen, war sein Leichnam nicht verwest und duftete nach Basilikum. Dies wurde als Beleg seiner Heiligkeit gewertet.

Unsere Stadtführerin Maria erzählt uns, dass am Ostersamstag die Prozession des Hl. Spiridon zur Erinnerung an die Rettung der Insel von der Pest 1550 stattfindet. Der Prozession folgt ein recht seltsamer Brauch. Von den Balkonen der Häuser rund um der Spianada-Platz werden unzählige, manchmal mit Wasser gefüllte Tongefässe zur Straße hinabgeworfen. Nach dem Zerschlagen der Krüge marschieren die Musikvereine laut aufspielend durch die Strassen und Gassen der Stadt. Es gibt zwei Erklärungen für diesen Brauch:
1. Ostern ist der Beginn der fruchtbaren Jahreszeit, die Natur erwacht aus dem Winterschlaf und geerntete Früchte werden in neuen Gefäßen gesammelt, während man die alten wegwerfen kann oder
2. Die Venezianer warfen traditionell an Neujahr alte Gegenstände aus dem Fenster, auf dass das neue Jahr neue bringe. Die Korfioten übernahmen den Brauch für ihren höchsten Feiertag, Ostern.

Der Heilige Spyridon soll zu Lebzeiten mehrere Tote wieder zum Leben erweckt haben und Kaiser Konstantinus von schwerer Krankheit geheilt haben. Darum gilt er auf Korfu als der, der Krankheit und Leid heilen kann. Besonders Menschen mit schweren Krankheiten pilgern zu ihm, Eltern bringen ihre kranken Kinder in die Kirche. Rund um die Kirche gibt es viele Andenkenläden und auch Kerzengeschäfte. Man kann wie bei uns 10 cm große Kerzen, auch 30 cm große Kerzen, aber auch 2,00 m große Kerzen kaufen und diese für Heilung entzünden. Viel hilft eben viel!
 

Wir fahren nach Kanoni, einem Stadtteil der Inselhauptstadt. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die kleine Mäuseinsel Pontikonisi, von der ich schon berichtete, und das davor liegende Kloster Vlacherna – vermutlich DAS Fotomotiv Korfus schlechthin – zu dem man ein paar huntert Treppenstufen hinablaufen kann.

Das Nonnenkloster Vlacherna soll um 1700 entstanden sein, spielt allerdings heute im religiösen Leben der Korfioten keine Rolle mehr, auch wenn es den Anschein macht, denn es ist vollständig eingerichtet. Heute ist das Kloster Vlacherna nur noch eine der Sehenswürdigkeiten von Korfu Stadt, die man sich dennoch nicht entgehen lassen sollte.

Und auch hier erwische ich die Sekunde, in der ein Jet vorm Landen das Kloster nur wenige Meter überfliegt. Das Kätzchen auf dem kleinen Seitendach des Klosters interessiert das nicht! 


 

Kommentare zu: "Korfu – in der Hauptstadt und das Kloster Vlacherna" (1)

  1. Jetzt kenn ich mich wieder aus ! In der hauptstadt war ich ja auch !

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