Die ersten 10 000 Aufnahmen sind die schlechtesten. Helmut Newton

Eine Stocherkahnfahrt



Ein Stocherkahn ist ein Flachboot, das mit einer Holzstange vom Grund des Gewässers abgestoßen wird. So einfach ist das und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. 😉

„Stochern“ ist wohl die weltweit häufigste Art, sich und verschiedene Lasten in flachen Gewässern fortzubewegen, es braucht nur ein Boot und eine Stange. In Europa mitten durch eine Stadt „gestochert zu werden“ ist äußerst selten: Außer in Tübingen kann man dies noch in Cambridge und Oxford erleben. Durch den Spreewald stochert man natürlich auch, dennoch ist Tübingen die einzige Stadt Deutschlands, in der dies möglich ist. (Weltenbummler könnten noch nach Christchurch in Neuseeland fliegen, um dieses kleine Abenteuer zu erleben.)

Vorsicht Fauxpas-Gefahr!: Niemals „O sole mio! auf einem Stocherkahn singen!!! Der Unterschied zwischen einer Venezischen Gondel und einem Stocherkahn ist gewaltig. Gondeln sind asymmetrisch gebaut, haben Vortrieb und Steuerung. Stocherkähne sind einfache, symmetrisch gebaute Kähne. Und den Unterschied zu einem venezianischen Gondoliere macht unser Stocherkahnfahrer direkt mal klar: „Ich stochere, der rudert.“ So!

1905 machte der Bau eines Brückenwehrs den Neckar in Tübingen befahrbar. Die ersten Studentenverbindungen legten sich Stocherkähne zu und verbrachten auf ihnen und mit ihnen ihre Freizeit. Noch heute findet jährlich im Frühsommer ein großes Stocherkahnrennen statt, dessen Verliererboot hart bestraft wird: Jeder der Mitfahrer muss einen halben Liter Lebertran auf ex trinken. Brrrr! Die Gewinner bekommen Freibier und Spanferkel.

Vor 25 Jahren wurde das Privileg der Stundentenverbindungen aufgehoben und auch Vereine oder Privatpersonen durften sich mit eigenen Booten stochernd auf dem Neckar in Tübingen fortbewegen. Die mit 7 € für Erwachsene und 3,50 € für Kinder erschwingliche Fahrt (einfach hier online über die Touristinfo der Stadt Tübingen buchbar) dauert 1 Stunde und führt ab dem Hölderlinturm unter schattigen Bäumen einmal den Neckar einige hundert Meter hinauf und wieder hinab.

Unser Kahnfahrer erzählte uns während der Fahrt kleine Anekdoten aus der Geschichte der Stadt und der Stocherkahnfahrt. Und er hatte SELBSTVERSTÄNDICH schon einmal das Stocherkahnrennen mit seiner Mannschaft gewonnen. 😜 Kaum hatte er diesen Satz und die dazugehörige kleine Geschichte zu Ende erzählt, kam uns ein Stocherkahn entgegen, dessen Kahnfahrer SELBSTVERSTÄNDLICH schon einmal das Stocherkahnrennen gewonnen hat … 😂

 

Kommentare zu: "Eine Stocherkahnfahrt" (6)

  1. Ich dachte auch sofort an den Speewald…was hast du denn gesungen😊

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  2. die habe ich bei meinem Tubingen Besuch auch gesehen, mir aber keine Gedanken darüber gemacht. Jetzt bin ich mal wieder ein bischen schlauer nach deinem Beitrag !!

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  3. Angelika schrieb:

    Das hast Du aber mit schönen Bildern toll erklärt

    Gefällt mir

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